Schwarze Propaganda

Schwarze Propaganda

Nun hat, wie es scheint, auch die AfD in Neukölln ein Problem mit einem Mitglied, das auf facebook dubiosen Inhalt eingestellt hat. Zwei Plakate sind es gewesen; gepostet gegen Mittag am 6. Januar 2018 von Franziska Lorenz-Hoffmann. Und reflexartig fällt die gutdeutsche Presse fletschend über sie her. Gestern war es die Berliner Morgenpost. Heute werden es andere sein.

Fragwürdig sind die beiden eingestellten Plakate ohne Frage. Auf ihnen ist von »Deutschen Frauen«, die ihr Blut reinhalten sollen und von »Deutschen Mädels«, die von »Fremdarbeitern« bedroht sind, die Rede. Das riecht förmlich nach Propaganda aus dem Reich der niederen Dämonen. Hier wurde sie von einer Frau der Alternative für Deutschland unter die Leute gebracht. Ein Skandal! – Da wird niemand mehr fragen, ob Franziska Lorenz-Hoffmann überhaupt wusste, aus welcher Zeit die Plakate denn stammten und warum sie sie eingestellt hat.

Dabei sind ihre Gründe ganz einfach gewesen.

Als Frau erlebt man in Neukölln jeden Tag, was in Köln zu Silvester und Karneval der Regelfall ist. Eine Frau ist in Neukölln jeden Tag von den türkisch-arabischen Männern bedroht, die sich hier auf der Straße herausnehmen können, was ihnen gefällt. Brutale Gewalt gehört in Neukölln zum Alltag. Und bei alledem ist nur eines recht sicher: Hilfe ist von der herrschenden Politik nicht zu erwarten. Diese hat sich darauf verlegt zu verleugnen. Und wenn das Verleugnen nicht mehr hilft, werden die Frauen in Sicherheitszonen geschafft. Die anderen überlässt man schlicht ihrem Schicksal.

Wie wird eine Frau in dieser Lage wohl reagieren? – Ganz einfach: Mit Angst und mit Wut über ihre wieder und wieder erlebte Hilflosigkeit. Und da Abhilfe nicht in Sicht ist, greift eine Frau zu den einfachsten Mitteln und äußert Ärger und Wut mit Worten und Gesten im Netz. Da greift eine Frau dann auch schon mal zu einem Plakat, ohne genau zu schauen, woher es denn stammt. Ist das verwerflich? Äußert sich darin ein neuer Nationalsozialismus? – Offenbar nicht. Es ist ein nur zu gut verständlicher Irrtum.

Bei der Berliner Morgenpost und ihren Experten ist man da anderer Meinung. Ein stadtbekannter »Professor für Rechtsextremismus« äußert sich deutlich zu den Plakaten und erklärt laut Morgenpost: „Das ist purer, nationalsozialistischer Rassismus, den Frau Lorenz-Hoffmann auf ihrer Facebook-Seite ausstellt.“ Und flugs macht der medial-industrielle Komplex aus der irrtümlichen Verwendung der beiden Plakate eine weitere Hetzkampagne gegen die Alternative für Deutschland.

Hätte Franziska Lorenz-Hoffmann wissen müssen, welche Plakate sie ins Netz gestellt hat? – Die beiden Abbildungen und die verwendete Sprache scheinen deutlich zu sein. Doch ein historisch Bewanderter weiß: Diese Art Bilder findet man auch in den 1920er Jahren und bis tief in 1950er Jahre hinein. Nun gut, »Deutsche Mädel« klingt irgendwie seltsam. Aber das gilt auch nur für die heutige Zeit und ist verschieden von Region zu Region.

Indes, der Volontär Julius Betschka von der Morgenpost und der Rechtsextremismusexperte Hajo Funke – die wissen Bescheid. Zusammen werden sie die »weiße Propaganda« schon schaukeln – so wird Propaganda genannt, die jemand in seinem Interesse für sich schalten lässt. Und der gutmütige Leser wird ihnen vertrauen.

Nun hat der Vorstandssprecher der AfD Neukölln vor einiger Zeit mit einem anderen Experten für Rechtsextremismus so seine Erfahrung gemacht. Der Experte hatte im rbb einen Beitrag gebracht, gegen den das Berliner Landgericht eine Einstweilige Verfügung verhängte, die es im Frühjahr letzten Jahres abschließend sanktionierte. Dieser Experte hatte sich bei seinem Versuch, den Vorstandssprecher zu diffamieren, zu weit auf das Gebiet der Statistik gewagt und sah vorm Richter dumm aus. Man ist also durchaus gewarnt.

Und auch in diesem Fall erweist sich der Experte als Wichtigtuer vom Dienst. Typisch Hajo Funke werden einige sagen; er ist zu mehr als oberflächlichen Statements nicht in der Lage. Doch in diesem Fall liegt die Sache ein klein wenig anders. Auch er ist, wie die verängstigte Frau aus Neukölln, einem Irrtum erlegen, den man versteht, wenn man genauer hinschaut: Eines der beiden Plakate stammt nicht von den N-Sozialisten. Die Überschrift der Morgenpost »AfD-Politikerin veröffentlicht NS-Plakate auf facebook« ist also falsch.

Das kann Hajo Funke nicht wissen. Er ist Politologe. Da besucht man nicht unbedingt ein Seminar über das, was Militärfachleute als »schwarze Propaganda« bezeichnen; Propaganda, die scheinbar von der eigenen Seite stammt, aber tatsächlich von der Gegenseite gemacht worden ist.

Mit anderen Worten: Das Plakat mit dem Rat für die »Deutschen Mädel« stammt von den Briten, sieht aber aus, als wäre es von den Nationalsozialisten gemacht. In diesem Fall wurde es unter die Deutschen Soldaten gebracht und war überhaupt nicht an die »Deutschen Mädel« gerichtet. Es warnte die Mädels zwar vor den Gefahren des Umgangs mit Fremdarbeitern aus den nahen Fabriken – aber in Wirklichkeit sollte es bei den deutschen Soldaten das Vertrauen in ihre Liebchen zu Hause erschüttern.

Lassen wir offen, ob das gelang. In jedem Fall war es gut inszeniert. So gut, dass eine besorgte Frau aus der Alternative für Deutschland und ein Experte für Rechtsextremismus den britischen Propagandafachleuten auf den Leim ging. Natürlich hätten beide genauer hinschauen können. Aber sie taten es nicht. Sie, die Frau aus Neukölln, weil sie sich bedroht gefühlt hat; er, weil Genauigkeit nicht wirklich sein Ding ist und er aus der Sucht nach Geltung überall weiße Propaganda von angeblich Braunen vermutet – also Motive ganz verschiedener Art.

Wenn sich aber der Experte irrt – dann wird man das einer Frau, die sich bedroht fühlt, schwerlich zu ihrem Nachteil auslegen können. Die Plakate wurden von Franziska Lotenz-Hoffmann mittlerweile gelöscht. Sie hat ihren Irrtum erkannt. Es ist nun an dem Professor, seinen Irrtum zu sehen und etwas mehr professionelle Umsicht walten zu lassen. Nicht dass er wieder auf »schwarze Propaganda« hereinfällt.

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